28. Mai 2008 Anfänge 

Bis zum Konzil von Trient (1545-1563) gab es keine allgemein verbindlichen Normen und erst recht keine entsprechenden Einrichtungen für die Ausbildung der Priester. Die meisten absolvierten beim Pfarrer eine Art Lehre und stiegen nach einer gewissen Zeit zu Gesellpriestern auf. Dennoch gab es in Passau seit dem 8. Jahrhundert eine Domschule für den Nachwuchs. Einige Priester, die höhere geistliche Ämter anstrebten, hatten die Möglichkeit, an den Universitäten Wien, Prag und Ingolstadt zu studieren, ohne aber als künftige Seelsorger ausgebildet zu werden. Fürstbischof Wolfgang von Salm (1541-1555) gründete dann ein Gymnasium „Literarium Pataviense“, eine private Hofschule. Urban von Trennbach (1561-1598) konnte ein kleines Seminar für zwölf Passauer Alumnen in Wien ausstatten. Ein eigenes Seminar in Passau zu errichten scheiterte.

Die beiden Fürstbischöfe aus dem Hause Habsburg, Erzherzog Leopold (1598-1625) und Leopold Wilhelm (1625-1662), lösten diese Probleme. 1611 kamen die Jesuiten nach Passau. Mit ihnen wurde an der Innseite ein geistig-geistliches Zentrum mit Gymnasium, Diözesanhochschule und Hoftheater gegründet. Verbunden damit war ein Klerikalseminar, dem Kardinal Johann Philipp Graf von Lamberg (1689-1712) ein neues Heim in der heutigen Staatlichen Bibliothek gab.

Joseph Maria von Thun (1761-1763) löste die enge Beziehung zu den Jesuiten. In Domnähe wurde 1762 eine neue Priesterbildungsanstalt mit 20 Alumnen eröffnet. Kardinal Leopold Ernst Graf von Firmian (1763-1783) ließ durch eigene Professoren Kirchenrecht, Dogmatik und Moral dozieren. Das Seminar in Passau, als rein wissenschaftliche Institution, wurde ergänzt durch Stätten für die pastorale Ausbildung nach der Weihe. So entstanden die Priesterhäuser in Enns an der Donau und Gutenbrunn. Daneben wurden Alumnen im Jesuitenseminar St. Barbara in Wien ausgebildet. Mit der Zerstörung des alten Bistums durch Kaiser Joseph II. brach die Priesterausbildung ein. Nach der Säkularisierung 1803 konnten drei Jahrzehnte in Passau keine Geistlichen ausgebildet werden. Dies erfolgte im Georgianum in Landshut und später in München.

(Wolfgang Duschl)

28. Mai 2008 Bischof Riccabona – der Seminargründer 
Mit Bischof Karl Joseph von Riccabona (1826-1839) kam die Wende. Am 8. Oktober 1828 erfolgte die königliche Entschließung, welche als die Gründungsurkunde des Passauer Seminars bezeichnet wird. Am 1. Dezember begannen die Vorlesungen. Dem Bischof war neben dem Studium die geistig-geistliche Entwicklung der gesamten Persönlichkeit besonders wichtig. Unter dem ersten Regens, Joseph Alois Rotermundt, war das Seminar im Stainerschen Priesterhaus am Dom, dem heutigen Seminar St. Maximilian, untergebracht.

Bischof Heinrich von Hofstätter (1839-1875) baute das Werk Riccabonas aus und eröffnete ein Knabenseminar im Stainerschen Priesterhaus, nun St. Maximilian. Für die Oberabteilung entstand St. Valentin. Das Klerikalseminar erhielt den Namen St. Stephan und beherbergte 1852 über 100 Alumnen. Dann sank die Zahl aber deutlich auf nur 40. Bischof Joseph Franz von Weckert (1875-1889) vermochte die Situation nicht sofort zu bessern, setzte aber mit Besonnenheit eine zeitgemäße Priesterausbildung durch, so dass in den folgenden Jahren durchschnittlich 90 Alumnen in St. Stephan studierten.

Bischof Sigismund Felix Freiherr von Ow-Felldorf (1906-1936) weihte im November 1910 die eigene Kirche des Seminares ein. Im Ersten Weltkrieg waren 1917 von 86 Diözesantheologen mit einer einzigen Ausnahme alle eingezogen. Jahre hindurch fanden keine Weihen mehr statt. Das Seminar nahm 1918 mit 55 Alumnen die Arbeit wieder auf. Es folgten dramatische Jahre, in denen die Seminaristen zum Teil hungern mussten. Die politischen Umwälzungen wurden im Seminar mit großer Skepsis beobachtet. Klar grenzte man sich zusammen mit dem neuen Bischof, Dr. Simon Konrad Landersdorfer (1936-1968), gegenüber den Nationalsozialisten ab. Die Konsequenz waren Hausdurchsuchungen, Verbote und Schikanen. 1939 wurde das Klerikalseminar in Beschlag genommen und als Lazarett verwendet. Die Studenten, soweit nicht zur Wehrmacht einberufen, mussten nach Eichstätt gehen. Der Bischof und der Regens sandten mit Feldpostbriefen geistliche Texte und Meditationen an die Soldaten.

Als das Seminar 1945 den Betrieb wieder aufnahm, galt es junge Männer mit furchtbaren Erfahrungen aus Krieg und Gefangenschaft zu integrieren und zu begleiten. Die Zahl der Weihekandidaten bis in die 50er Jahre hinein war klein, manchmal konnte nur ein Priester geweiht werden. Mit Antonius Hofmann wurde 1955 ein späterer Diözesanbischof (1968-1984) Regens im Seminar. Dies nicht nur in einer Umbruchszeit innerhalb der Kirche, die mit dem II. Vatikanischen Konzil einsetze. Auch gesellschaftlich stand die Kirche vor neuen Herausforderungen. Hofmanns Nachfolger als Regens im Priesterseminar, Franz Xaver Eder, sollte 1984 auch die Nachfolge als 83. Bischof von Passau (bis 2001) antreten. Beide verstanden sich auch als geistliche Wegbegleiter der Alumnen. Sie förderten die wissenschaftliche Ausbildung und setzten gleichzeitig auf die ganz persönliche Entscheidung für das Priesteramt. Dompropst Dr. Hans Wagenhammer und Domkapitular Josef Werkstetter mussten sich den geänderten gesellschaftlichen Bedingungen stellen. Weniger junge Männer gingen den Weg in der Nachfolge Christi als Priester. Auch Ludwig Limbrunner, seit 2003 als Regens verantwortlich, muss sich dieser Problematik stellen. Heute sind die jungen Männer, die sich auf den Weg in das Priesteramt machen, im persönlichen Zeugnis noch stärker herausgefordert. Aber die Frage nach Berufungen ist auch eine Frage an das ganze Bistum, an die Pfarrgemeinden, die Verbände, die Einrichtungen und die Familien. Um dies in der Diözese Passau deutlich zu unterstreichen, hat Diözesanbischof Wilhelm Schraml im Kirchenjahr 2006/2007 ein „Jahr für geistliche Berufungen“ gestartet.

(Wolfgang Duschl)
28. Mai 2008 Ein „Jahr für geistliche Berufungen“ 
Der Bischof betont, die „Weckung und Begleitung von Berufungen werde zur Grunddimension allen pastoralen Tuns“. Die Weckung geistlicher Berufe, so der Bischof, „ist Aufgabe der ganzen Kirche“. Es gehe im Bistum Passau nun darum, „selber in Christus zu leben“ und damit Menschen zu ermutigen, sich einzulassen auf den Ruf Jesu. In drei Phasen wird das Verständnis für die persönliche Berufung entfaltet: der grundsätzliche Ruf des Menschen in das Leben; die Berufung zum Christsein; die Nachfolge Christi im geistlichen Dienst. Symbolisch hat der Bischof zu Beginn des Berufungsjahres im Dom jeder Pfarrei, jeder Ordensgemeinschaft, den Vertretern der diözesanen Verbände sowie dem Priesterseminar St. Stephan eine Kerze mit dem Motto des Jahres: „ ...da steckt noch mehr drin! Ein Jahr für geistliche Berufungen“ überreicht. Diese Kerze, so der Bischof, solle bei allen liturgischen Feiern und Gebetszusammenkünften auf das dringende Anliegen hinweisen.

(Wolfgang Duschl)
28. Mai 2008 Hirtenbrief von Bischof Wilhelm Schraml 
In seinem Hirtenbrief, der am Sonntag, 3. Dezember 2006, verlesen wurde, unterstrich Bischof Schraml: „Die ganze Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, die Gott ruft“. Berufung müsse ein „geistliches Schlüsselwort“ für die Kirche werden. In den Familien und Pfarreien solle ein Klima entstehen, in dem der Anruf Gottes gehört werden könne. Der Passauer Diözesanbischof hat einmal mehr seiner Sorge um geistliche Berufe Ausdruck verliehen. Die Zahl der Berufungen, so Wilhelm Schraml, nehme ab. „Die laute, bedrängende Zeit“ mache es den Menschen immer schwerer, „auf Christus zu hören“. Daher komme die Not an geistlichen Berufen. Deshalb hat der Bischof alle Gläubigen aufgerufen, „Antwort und Zeugnis für den Anruf Gottes“ zu geben. Berufung, so der Bischof, heiße, „die Stimme Christi zu hören und auf sie zu antworten“. Wer im Leben und Alltag den Glauben der Kirche bezeuge, handle aus Berufung. Aus solch grundlegender Berufung eines jeden Menschen und Christen könnte dann der Ruf in die Nachfolge Christi etwa als Priester oder im Ordensleben gehört werden.

Das Wort der Berufung will der Bischof zu einem „zentralen Schlüsselwort der Kirche“ machen. Denn „die Kirche ist kein Verein“. Sie habe, so der Bischof, „einen sakramentalen Grund“. Es gebe die Kirche, „weil Christus in ihrer Mitte wirkt“ und die Menschen zur Kirche zusammenschließe. (Weitere Informationen zum „Jahr für geistliche Berufungen“ stehen im Internet unter www.berufung.bistum-passau.de.)

(Wolfgang Duschl)
28. Mai 2008 Passauer Priesterseminar kooperiert mit Regensburg, bleibt aber bestehen 

180 Jahre nach der Gründung von St. Stephan sind neue Akzente nötig geworden. Die Situation für Theologiestudenten an der Universität Passau hat sich geändert – mit entsprechenden Auswirkungen auf das Seminar. Nachdem die Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Passau für ruhend erklärt wurde und in ein Theologisches Institut umgewandelt wird, musste das Bistum Passau für die Priesteramtskandidaten nach neuen Möglichkeiten suchen. Das Passauer Priesterseminar St. Stephan kooperiert nun mit dem Priesterseminar der Diözese Regensburg.

Diözesanbischof Wilhelm Schraml hat nach Anhören des Ordinariatsrates die Entscheidung getroffen. Aber! Das Priesterseminar St. Stephan bleibt bestehen. Ludwig Limbrunner behält sein Amt als Regens in Passau, denn die Theologen sollen, gerade wenn sie auswärts studieren, immer wieder nach Passau zurückkehren und damit in das Bistum eingebunden bleiben. Das war und ist Bischof Schraml äußerst wichtig.

Mit dem Regensburger Diözesanbischof, Dr. Gerhard Ludwig Müller, und dem Regensburger Regens, Martin Priller, wurde zudem vereinbart, dass der künftige Subregens im Regensburger Seminar ein Passauer Diözesanpriester werden soll. Auch damit wird die Kooperation unterstrichen und für die Passauer Studenten steht ein direkter Ansprechpartner zur Verfügung. Für die Kooperation haben nach Worten von Bischof Schraml auch die räumliche Nähe, also die Verkehrsanbindung sowie der gemeinsame Kulturraum gesprochen. Weite Teile der beiden Bistümer liegen im Bayerischen Wald und Niederbayern.

Die aktuell Studierenden sollen ihre Vordiplom- oder Diplomprüfungen noch an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Passau ablegen. Zum Wintersemester 2008/2009 würden dann alle Studenten in das Regensburger Seminar umziehen. Allerdings sollen Studienanfänger bereits ab dem Wintersemester 2007/2008 in Regensburg beginnen.

Die Katholisch-Theologische Fakultät in Passau ist für 15 Jahre als ruhend erklärt worden. Drei Jahre vor Ablauf der Frist müsse über eine Wiedereröffnung neu verhandelt werden. So fasst Bischof Schraml die Verhandlungen zwischen den verantwortlichen Vertragspartnern, dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Bayern, zusammen. Das jetzt zu gründende Theologische Institut soll an der Universität Passau für die Ausbildung der Religionslehrer an Grund- und Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien sorgen.

So schließt sich fast ein Kreis. Vor etwa 120 Jahren gab es ebenfalls parallel zum Seminar in Passau externe Ausbildungsstätten für den Klerus, etwa in Wien. Wer zurückschauen kann, kann auch hoffnungsvoll nach vorne blicken. Es kann aus der neuen Situation wieder etwas Neues wachsen und reifen – zum Wohl für das Bistum Passau, zum Segen für die Menschen und die Kirche.

(Wolfgang Duschl)